Libellen im Tierreich
Um zu verstehen, wo Libellen in der großen Vielfalt des Lebens einzuordnen sind, lohnt sich ein Blick auf die biologische Systematik. Als der schwedische Naturforscher Carl von Linné im 18. Jahrhundert begann, die Welt der Organismen wissenschaftlich zu untersuchen, entwickelte er ein System, das bis heute die Grundlage unserer Klassifikation bildet.
Das Prinzip der Klassifikation
Linné teilte Arten in Gruppen mit gemeinsamen Merkmalen ein, die wiederum in übergeordnete Gruppen zusammengefasst wurden. Ein Beispiel aus der Vogelwelt macht das Prinzip deutlich: Der Haussperling und die Amsel haben gemeinsam, dass beide Strophen singen – sie gehören also zu den Singvögeln. Greifvögel hingegen haben Hakenschnäbel und scharfe Krallen. Beide Gruppen legen Eier und tragen Federn – sie sind also Vögel. Und Vögel haben, wie Säugetiere, ein Knochenskelett – sie gehören zu den Wirbeltieren.
Nach diesem Prinzip wurden alle Lebewesen in immer größere Übergruppen eingeteilt, bis man bei den Reichen ankam – der höchsten Klassifikationsebene.
Von den Reichen zur Ordnung
Heute unterscheidet die Wissenschaft meist fünf bis sechs Reiche: Tiere, Pflanzen, Pilze, Bakterien und verschiedene einzellige Organismen. Die Libellen gehören natürlich zum Tierreich (Animalia).
Das Tierreich gliedert sich in etwa 22 Stämme. Libellen gehören zum Stamm der Gliederfüßer (Arthropoda) – jene Tiere, die über ein Außenskelett aus Chitin verfügen. Dieses Skelett umgibt den Körper von außen und muss regelmäßig abgestreift werden, da es nicht mitwachsen kann. Zu den Gliederfüßern gehören auch Spinnen, Krebse und Tausendfüßer.
Innerhalb der Gliederfüßer bilden die Sechsfüßer (Hexapoda) einen Unterstamm, und zu diesen gehört die Klasse der Insekten (Insecta). Mit über 1,2 Millionen beschriebenen Arten umfasst diese Klasse etwa 80 Prozent aller bekannten Tierarten – eine beeindruckende Zahl, die mich immer wieder staunen lässt.
Die Merkmale der Insekten
Allen Insekten gemeinsam ist ihr dreigeteilter Körperbau:
- Kopf (Caput) – mit den charakteristischen Komplexaugen
- Brust (Thorax) – hier setzen zwei Paar Flügel und drei Paar Beine an
- Hinterleib (Abdomen) – enthält die Geschlechtsorgane
Die Insekten werden weiter unterteilt, und die Libellen finden sich in der Unterklasse der geflügelten Insekten (Pterygota). Hier schließlich bilden sie eine eigene Ordnung: Odonata – die Ordnung der Libellen.
Der Stammbaum der Libellen
- Reich: Animalia (Tiere)
- Stamm: Arthropoda (Gliederfüßer)
- Unterstamm: Hexapoda (Sechsfüßer)
- Klasse: Insecta (Insekten)
- Unterklasse: Pterygota (geflügelte Insekten)
- Ordnung: Odonata (Libellen)
Die Ordnung Odonata
Der Name Odonata leitet sich vom griechischen Wort odon (Zahn) ab und bezieht sich auf die kräftigen, gezähnten Mundwerkzeuge der Libellen. Mehr zur inneren Gliederung dieser Ordnung – den Unterordnungen und Familien – erfahren Sie auf der Seite Die Ordnung Odonata.
Eine lebendige Wissenschaft
Die hier beschriebene Einteilung ist nicht in Stein gemeißelt. Die Taxonomie – die Wissenschaft von der Einordnung der Lebewesen – entwickelt sich ständig weiter. Neue Arten werden entdeckt, genetische Analysen führen zu Umgruppierungen, und manchmal werden bisherige Arten als Synonyme erkannt oder in mehrere neue Arten aufgeteilt.
In meinen über 50 Jahren als Libellenbeobachter habe ich miterlebt, wie sich manche Artnamen änderten und Familien neu geordnet wurden. Das kann anfangs verwirrend sein, ist aber ein Zeichen dafür, dass unser Verständnis der Natur stetig wächst.