Libellen im Herbst – Die letzten Flugkünstler des Jahres

Herbstliche Teichlandschaft mit Libellen
Herbststimmung am Teich - die Heidelibellen fliegen noch bis in den Oktober.

Der Herbst am Teich hat seinen eigenen Zauber. Wenn das Laub sich färbt und die Morgennebel über dem Wasser liegen, fliegen die letzten Libellen des Jahres. Es ist eine Zeit des Abschieds, aber auch der besonderen Beobachtungen.

Herbststimmung am Gewässer

Im September und Oktober verändert sich die Atmosphäre am Teich. Die Hektik des Sommers ist vorbei, die Schwärme der Azurjungfern sind verschwunden. Stattdessen beherrschen die Heidelibellen die Szene – robuste, anpassungsfähige Arten, die die Kälte nicht scheuen.

Für mich ist der Herbst eine Zeit der Ruhe. Die Beobachtungen werden konzentrierter, man hat den Teich oft für sich allein. Die schräg einfallende Sonne zaubert besonderes Licht auf die Flügel der Libellen – Fotografen wissen das zu schätzen.

Welche Arten fliegen im Herbst?

Heidelibellen: Die Herbstspezialisten

Die Gattung Sympetrum – unsere Heidelibellen – sind die typischen Herbstlibellen. Sie schlüpfen im Spätsommer und fliegen bis weit in den Oktober, manchmal sogar bis November.

  • Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum): Die häufigste Art, oft in großer Zahl. Männchen leuchtend rot, Weibchen gelbbraun.
  • Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum): Intensiv rot gefärbt, schwarze Beine (wichtiges Unterscheidungsmerkmal).
  • Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum): Robust, mit gelblichen Beinen und Streifen an der Brust.
  • Gefleckte Heidelibelle (Sympetrum flaveolum): Auffällige gelbe Flügelflecken an der Basis.

Die Unterscheidung der Heidelibellen ist nicht einfach – sie ähneln sich stark. Achten Sie besonders auf die Beinfarbe und die Zeichnung an der Brust.

Winterlibellen: Auf dem Weg in die Überwinterung

Die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) bereitet sich im Herbst auf die Überwinterung vor. Sie ist die einzige mitteleuropäische Libelle, die als erwachsenes Tier überwintert.

Im September und Oktober sieht man sie noch an sonnigen Tagen, wie sie Nahrung aufnehmen und Reserven anlegen. Später ziehen sie sich in geschützte Verstecke zurück – Reisighaufen, dichtes Gebüsch, Efeu an Hauswänden.

Späte Edellibellen

Einige Großlibellen halten bis in den Herbst durch:

  • Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta): Wie der Name sagt, ein typischer Herbstflieger. Aktiv bis Oktober.
  • Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea): Die häufigste Großlibelle hält lange durch, manchmal bis in den November.
  • Große Königslibelle (Anax imperator): Einzelne Exemplare fliegen noch im September.

Besondere Herbstbeobachtungen

Wanderlibellen

Der Herbst bringt manchmal Überraschungsgäste: Wanderlibellen aus dem Süden. Die Schabracken-Königslibelle (Anax ephippiger) und die Wanderlibelle (Pantala flavescens) werden in manchen Jahren beobachtet, wenn sie aus dem Mittelmeerraum nach Norden ziehen.

Diese Arten können sich bei uns nicht dauerhaft etablieren – sie überleben den Winter nicht. Aber ihre Anwesenheit ist ein faszinierendes Phänomen, das zeigt, wie mobil Libellen sein können.

Späte Fortpflanzung

Auch im Herbst paaren sich Libellen noch. Besonders die Heidelibellen sind aktiv – man sieht Paarungsräder und Eiablagen bis in den Oktober. Die Eier überwintern im Wasser oder im feuchten Substrat und entwickeln sich erst im nächsten Frühjahr.

Wo beobachten im Herbst?

Die besten Herbst-Spots unterscheiden sich von den Sommerplätzen:

  • Sonnige Waldränder: Hier sammeln sich Heidelibellen zur Jagd auf Kleininsekten.
  • Südexponierte Böschungen: Warme Plätze, an denen sich Libellen sonnen.
  • Wiesen nahe Gewässern: Heidelibellen jagen oft abseits des Wassers.
  • Geschützte Teichufer: Windgeschützte Stellen bleiben länger aktiv.

Tipps für die Herbstbeobachtung

  • Mittagszeit wählen: Im Herbst ist die Sonne nur mittags stark genug. Planen Sie Ihre Ausflüge zwischen 11 und 15 Uhr.
  • Sonnige Tage nutzen: Bei Bewölkung oder Regen fliegen kaum noch Libellen. Warten Sie auf Schönwetter.
  • Warm anziehen: Es ist kälter als Sie denken, besonders wenn Sie länger still sitzen.
  • Auf Details achten: Die Artenvielfalt ist geringer, dafür lohnt sich das genaue Hinschauen bei einzelnen Tieren.
  • Kamera bereithalten: Das Herbstlicht ist fantastisch für Fotos.

Das Ende der Saison – und der Neuanfang

Irgendwann im November kommt der Tag, an dem ich zum letzten Mal in diesem Jahr eine Libelle sehe. Es ist immer ein wehmütiger Moment – das Wissen, dass jetzt Monate ohne diese Tiere vergehen werden.

Aber es ist auch ein Neuanfang. Im Wasser entwickeln sich die Larven weiter. In den Eiern reift neues Leben. Der Kreislauf geht weiter, auch wenn wir ihn nicht sehen.

Und wenn im März die ersten warmen Sonnenstrahlen kommen, bin ich wieder da – am Teich, mit dem Fernglas, wartend auf die erste Libelle des neuen Jahres. Nach über 50 Jahren hat diese Vorfreude nichts von ihrem Zauber verloren.

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