Blaugrüne Mosaikjungfer

Aeshna cyanea (Müller, 1764)

Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist wohl die bekannteste Großlibelle Mitteleuropas. Kaum jemand, der einen Gartenteich besitzt, hat sie nicht schon einmal bei ihren eleganten Patrouillenflügen beobachtet. Mit ihrer Neugier und ihrer Gewohnheit, Menschen recht nahezukommen, ist sie für viele der erste Kontakt mit der faszinierenden Welt der Libellen. Wenn mich jemand fragt, mit welcher Art er anfangen soll, nenne ich immer diese - sie verzeiht Anfängern und zeigt sich oft geduldig.

Kurzsteckbrief

Größe 67-76 mm Körperlänge
Flügelspannweite ca. 95-105 mm
Flugzeit Juni bis Oktober
Unterordnung Großlibellen (Anisoptera)
Familie Edellibellen (Aeshnidae)
Gefährdung Nicht gefährdet

Namensherkunft

Der deutsche Name beschreibt die charakteristische Färbung der Art: Das Zusammenspiel von blauen und grünen Flecken auf dem Hinterleib erinnert an ein Mosaik. Die Bezeichnung "Jungfer" ist ein alter deutscher Name für Libellen und bezieht sich auf ihre zarte, elegante Erscheinung.

Der wissenschaftliche Gattungsname Aeshna stammt vermutlich aus dem Griechischen und bedeutet "hässlich" - eine unpassende Bezeichnung, die wohl auf einem Missverständnis des Erstbeschreibers Fabricius beruht. Der Artname cyanea leitet sich vom griechischen kyanos (blau) ab und verweist auf die blaue Färbung.

Aussehen und Bestimmung

Männchen

Die Männchen sind prächtig gefärbt mit einer charakteristischen Musterung: Der Thorax (Brust) trägt zwei breite grüne Längsbinden auf schwarzem Grund. Der Hinterleib zeigt das namensgebende Mosaikmuster aus blauen und grünen Flecken. Besonders auffällig sind die beiden großen grünen Flecken auf dem zweiten Hinterleibssegment - sie sitzen wie Schulterstücke und sind ein wichtiges Erkennungsmerkmal.

Die Augen sind bei ausgefärbten Männchen leuchtend blau. Diese Blaufärbung entwickelt sich erst nach einigen Tagen - frisch geschlüpfte Tiere haben zunächst grünlich-graue Augen.

Weibchen

Die Weibchen sind insgesamt grüner gefärbt. Statt der blauen Flecken dominieren bei ihnen grüne und gelbliche Töne. Die Augen sind grünlich. Das Muster auf Thorax und Hinterleib ähnelt dem der Männchen, ist aber weniger kontrastreich.

Lebensraum

Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist ausgesprochen anpassungsfähig und besiedelt eine Vielzahl von stehenden Gewässern. Sie ist die klassische "Gartenteichlibelle" und erscheint oft schon an kleinen Teichen, die nur wenige Quadratmeter groß sind. Diese Pionierart findet als eine der ersten Libellenarten neu angelegte Gewässer.

Neben Gartenteichen besiedelt sie Waldtümpel, Weiher, Teiche, Kiesgruben und sogar Regentonnen - vorausgesetzt, dort gibt es genügend Vegetation für die Eiablage und die Larvenentwicklung. Die Larven leben zwischen Wasserpflanzen und im Bodensubstrat, wo sie als Lauerjäger auf Beute warten.

Verbreitung

Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist in ganz Mitteleuropa weit verbreitet und häufig. In Deutschland, Österreich und der Schweiz kommt sie nahezu flächendeckend vor - vom Tiefland bis in die Mittelgebirge.

Im Hochgebirge fehlt sie aufgrund der kühleren Temperaturen und der kurzen Entwicklungszeit. Die nördliche Verbreitungsgrenze liegt etwa in Südskandinavien, im Süden reicht das Areal bis Nordafrika.

Verhalten

Flugverhalten

Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist für ihre ausdauernden Patrouillenflüge bekannt. Die Männchen fliegen in etwa 1-2 Metern Höhe über und entlang von Gewässern, stets auf der Suche nach Weibchen oder Beute. Dabei können sie auch längere Zeit auf der Stelle schweben - ein Verhalten, das bei Beobachtern oft Erstaunen auslöst.

Charakteristisch ist ihre Neugier: Diese Libelle nähert sich oft Menschen und verharrt manchmal regelrecht vor ihnen in der Luft, als wolle sie den Beobachter mustern. Dieses Verhalten ist harmlos - die Libelle prüft lediglich, ob es sich um eine potenzielle Beute oder Gefahr handelt.

Jagdverhalten

Als wendiger Flugjäger erbeutet die Blaugrüne Mosaikjungfer eine Vielzahl von Insekten im Flug. Mücken, Fliegen, kleine Schmetterlinge und sogar andere Libellen stehen auf ihrem Speiseplan. Die Beute wird mit den zu einem Fangkorb geformten Beinen gegriffen und meist im Flug verzehrt.

Fortpflanzung und Eiablage

Die Paarung findet typischerweise in der Ufervegetation statt. Anders als bei vielen anderen Edellibellen sucht das Weibchen danach allein einen geeigneten Eiablageplatz. Die Eier werden mit Hilfe des Legebohrers in weiches Pflanzengewebe, morsches Holz oder feuchtes Moos gestochen - sowohl über als auch unter der Wasseroberfläche.

Die Larvenentwicklung dauert in der Regel zwei Jahre. Die Larven überwintern im Gewässer und schlüpfen im folgenden Frühsommer. Der Schlupf findet meist in den frühen Morgenstunden statt, wobei die Larven an Pflanzenstängeln aus dem Wasser klettern.

Ähnliche Arten

Mehrere Mosaikjungfer-Arten können verwechselt werden:

  • Die Braune Mosaikjungfer (Aeshna grandis) ist insgesamt bräunlich gefärbt ohne grüne Thoraxbinden.
  • Die Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta) ist kleiner und hat einen charakteristischen gelben "Dolch" auf dem zweiten Hinterleibssegment.
  • Die Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea) besitzt schmälere Thoraxbinden und kommt vor allem an Moorgewässern vor.

Das sicherste Unterscheidungsmerkmal der Blaugrünen Mosaikjungfer sind die beiden großen, zusammenhängenden grünen Flecken auf dem zweiten Hinterleibssegment.

Beobachtungstipps

Wenn Sie die Blaugrüne Mosaikjungfer beobachten möchten, ist ein Gartenteich der beste Ausgangspunkt. Zwischen Juli und September sind die Chancen am größten. Setzen Sie sich ruhig an den Teichrand und warten Sie - diese neugierige Art wird Sie vermutlich von selbst inspizieren.

Für Fotografen empfehle ich die Morgenstunden, wenn die Tiere noch kühl und weniger aktiv sind. Dann sitzen sie oft auf Blättern oder Ästen und lassen sich gut ablichten. Auch die Beobachtung der spektakulären Eiablage lohnt sich - achten Sie auf Weibchen, die über dem Wasser oder der Ufervegetation schweben.