Blauflügel-Prachtlibelle
Calopteryx virgo (Linnaeus, 1758)
Die Blauflügel-Prachtlibelle gehört zu den auffälligsten und schönsten Libellen unserer Heimat. Mit ihren fast vollständig dunkelblau gefärbten Flügeln ist das Männchen unverwechselbar. Wenn ich an einem klaren Waldbach stehe und diese metallisch schimmernden Insekten im Sonnenlicht tanzen sehe, verstehe ich jedes Mal aufs Neue, warum Libellen seit Jahrhunderten Menschen faszinieren.
Kurzsteckbrief
| Größe | 45-49 mm Körperlänge |
|---|---|
| Flugzeit | Mai bis August |
| Unterordnung | Kleinlibellen (Zygoptera) |
| Familie | Prachtlibellen (Calopterygidae) |
| Gefährdung Deutschland | Vorwarnstufe (V) |
Namensherkunft
Der deutsche Name erklärt sich von selbst: Die Flügel der Männchen sind fast vollständig blau gefärbt - daher "Blauflügel". Der Begriff "Prachtlibelle" verweist auf die prächtige, metallisch schillernde Erscheinung dieser Libellen.
Der wissenschaftliche Gattungsname Calopteryx stammt aus dem Griechischen und bedeutet "schöner Flügel" (kalé = schön, pteryx = Flügel). Der Artname virgo bedeutet "Jungfrau" - eine Anspielung auf die zarte Erscheinung dieser eleganten Libellen.
Aussehen und Bestimmung
Männchen
Die Männchen sind an ihren fast vollständig dunkelblau gefärbten Flügeln sofort zu erkennen. Der metallisch blau schimmernde Körper verstärkt diesen Eindruck noch. Ein besonderes Merkmal ist die sogenannte "Laterne" - die Unterseite der letzten drei Hinterleibssegmente, die rötlich gefärbt ist und bei der Balz eine wichtige Rolle spielt.
Weibchen
Die Weibchen sind deutlich unauffälliger. Ihre Flügel sind bräunlich getönt, der Körper schimmert mehr bräunlich-grün. Dies dient der Tarnung, denn die Weibchen verbringen viel Zeit in der Ufervegetation.
Lebensraum
Die Blauflügel-Prachtlibelle ist eine typische Art an Fließgewässern. Sie bevorzugt kleinere, kühle und sauerstoffreiche Bäche - besonders deren Oberläufe. Wichtig sind beschattete Bereiche mit überhängender Vegetation. An sommerwarmen, langsam fließenden Gewässern fehlt sie meist.
Die Larven benötigen Pflanzen oder Wurzeln, die in die Strömung hineinreichen und an denen sie sich festhalten können. Dies können frei flutende Wasserpflanzen sein, Baumwurzeln oder die Überreste der letztjährigen Vegetation.
Verbreitung
In Deutschland kommt die Blauflügel-Prachtlibelle verbreitet vor, fehlt aber in den Tiefebenen Norddeutschlands (Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern). Sie bevorzugt die Mittelgebirge und deren Vorländer.
In Österreich ist sie in der Ebene und bis in mittlere Höhen häufig, fehlt aber im Hochgebirge. In der Schweiz findet man die Nominatform nördlich der Alpen häufig, während südlich der Alpen die Unterart C. v. meridionalis vorkommt.
Verhalten
Territorialverhalten
Die Männchen sind ausgesprochen territorial. Sie besetzen Reviere von etwa 2 Metern Breite entlang des Gewässers und verteidigen diese energisch gegen Rivalen. Dabei spielen die auffälligen Flügel eine wichtige Rolle - sie werden bei Drohgebärden präsentiert.
Balzverhalten
Das Balzverhalten der Prachtlibellen gehört zum Faszinierendsten, was die Libellenwelt zu bieten hat. Nähert sich ein Weibchen, fliegt das Männchen ihm in einem auffälligen Schwirrflug entgegen. Dabei biegt es seinen Hinterleib nach oben und präsentiert dem Weibchen die rötliche "Laterne". So führt es das Weibchen zum Eiablageplatz.
Eiablage
Die Eiablage erfolgt oft spektakulär: Das Weibchen klettert kopfüber unter Wasser und kann dort bis zu 100 Minuten verbleiben, während es die Eier in Pflanzengewebe einsticht. Zum Auftauchen lässt es einfach los und treibt mit der Strömung an die Oberfläche.
Ähnliche Arten
Die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) ist die einzige Art, mit der eine Verwechslung möglich ist. Die Männchen dieser Art haben jedoch keine vollständig blauen Flügel, sondern nur eine dunkelblaue Binde in der Flügelmitte. Außerdem ist ihre "Laterne" gelblich-weiß statt rötlich. Die Weibchen der Gebänderten Prachtlibelle haben grünliche statt bräunliche Flügel.
Beobachtungstipps
Wenn Sie Blauflügel-Prachtlibellen beobachten möchten, empfehle ich Ihnen einen Spaziergang entlang eines klaren Waldbaches zwischen Juni und August. Achten Sie auf beschattete Abschnitte mit überhängender Vegetation. Die Männchen sitzen oft auf Blättern direkt über dem Wasser und sind durch ihr metallisches Blau gut zu erkennen.
Mit etwas Geduld können Sie auch das faszinierende Balzverhalten beobachten - ein Naturschauspiel, das ich Ihnen sehr ans Herz lege.