Vierfleck

Libellula quadrimaculata (Linnaeus, 1758)

Vierfleck
Vierfleck - Die namensgebenden vier dunklen Flügelflecken am Nodus sind gut sichtbar.

Der Vierfleck ist eine der bekanntesten und am weitesten verbreiteten Großlibellen Europas. Seinen Namen verdankt er den vier auffälligen dunklen Flecken an den Flügel-Nodien - ein Merkmal, das ihn auch für Einsteiger leicht bestimmbar macht. In meiner jahrzehntelangen Beobachtungstätigkeit habe ich festgestellt, dass der Vierfleck oft die erste Großlibelle ist, die Naturfreunde bewusst wahrnehmen und bestimmen können.

Kurzsteckbrief

Größe 40-48 mm Körperlänge
Flügelspannweite 70-85 mm
Flugzeit Mai bis August
Unterordnung Großlibellen (Anisoptera)
Familie Segellibellen (Libellulidae)
Gefährdung Deutschland Nicht gefährdet

Namensherkunft

Der deutsche Name "Vierfleck" bezieht sich auf die vier dunklen Flecken, die sich jeweils am Nodus (der Querader etwa in der Flügelmitte) aller vier Flügel befinden. Der wissenschaftliche Name bestätigt dies: quadrimaculata bedeutet "die Viergefleckte" (lateinisch quadri = vier, maculata = gefleckt).

Erkennungsmerkmale

Der Vierfleck ist eine mittelgroße, kräftig gebaute Segellibelle mit charakteristischer Färbung und Zeichnung. Beide Geschlechter sehen sehr ähnlich aus - ein ungewöhnliches Merkmal unter den Libellen.

Flügel

Das wichtigste Bestimmungsmerkmal sind die vier dunklen Flecken am Nodus jedes Flügels. Zusätzlich haben alle Flügel einen dunklen Basalfleck und ein dunkles Pterostigma (Flügelmal). Die Hinterflügel zeigen zudem einen charakteristischen dreieckigen Basalfleck.

Körper

Der Hinterleib ist bräunlich-gelb mit schwarzer Zeichnung an den Segmentgrenzen. Zur Spitze hin wird er zunehmend schwarz. Der Thorax ist olivbraun gefärbt. Die Augen sind bei ausgefärbten Tieren bräunlich.

Lebensraum

Der Vierfleck ist ausgesprochen anpassungsfähig und besiedelt nahezu alle Typen von stehenden Gewässern: Weiher, Teiche, Seen, Moorgewässer, Kiesgruben und Gartenteiche. Wichtig ist eine gut entwickelte Ufer- und Wasservegetation.

Die Larven leben am Gewässergrund zwischen Pflanzenresten und im Schlamm. Sie sind wenig wählerisch bezüglich der Wasserqualität und vertragen auch leicht eutrophe Bedingungen.

Verbreitung

Der Vierfleck hat eine der größten Verbreitungsgebiete aller Libellen - er kommt auf drei Kontinenten vor (Europa, Asien, Nordamerika). In Deutschland ist er flächendeckend verbreitet und gehört zu den häufigsten Großlibellen.

In Österreich und der Schweiz ist er ebenfalls weit verbreitet, von den Tieflagen bis in montane Höhenstufen.

Verhalten

Territorialverhalten

Die Männchen besetzen kleine Reviere über dem Wasser oder an Schilfkanten. Von erhöhten Sitzwarten aus - oft abgestorbene Pflanzenstängel oder Äste - beobachten sie ihr Revier und starten zu Patrouillenflügen. Bei Annäherung von Rivalen kommt es zu kurzen, aber heftigen Verfolgungsjagden.

Jagdverhalten

Der Vierfleck jagt von Sitzwarten aus. Er startet zu kurzen Beuteflügen und kehrt oft zur gleichen Warte zurück. Seine Beute besteht hauptsächlich aus kleinen fliegenden Insekten wie Mücken und kleinen Fliegen.

Eiablage

Das Weibchen wirft die Eier im Flug ins Wasser. Dabei tippt es rhythmisch mit dem Hinterleib auf die Wasseroberfläche - ein charakteristisches Verhalten, das Sie gut beobachten können.

Wanderverhalten

Der Vierfleck ist für sein gelegentliches Massenwanderungsverhalten bekannt. In manchen Jahren ziehen große Schwärme über weite Strecken. Diese Wanderungen sind nicht vollständig verstanden, hängen aber vermutlich mit hohen Populationsdichten und günstigen Windverhältnissen zusammen.

Beobachtungstipps

Der Vierfleck ist eine dankbare Art für Einsteiger. Er ist häufig, gut zu erkennen und zeigt ein interessantes Verhalten. Besuchen Sie zwischen Mai und Juli einen Teich oder Weiher mit Röhrichtzone. Die Männchen sitzen oft auf vorjährigen Schilfhalmen oder anderen erhöhten Sitzwarten.

Besonders empfehlenswert: Beobachten Sie die Männchen bei der Revierverteidigung. Die kurzen Verfolgungsjagden und das Zurückkehren zur Sitzwarte sind charakteristisch und leicht zu beobachten.

Ähnliche Arten

Der Plattbauch hat einen deutlich breiteren, abgeflachten Hinterleib und andere Flügelzeichnung. Der Spitzenfleck (Libellula fulva) hat einen dunklen Fleck an der Flügelspitze statt am Nodus. Die Weibchen beider Arten können ähnlich aussehen, aber die Flügelflecken des Vierflecks sind eindeutig.