Großer Blaupfeil
Orthetrum cancellatum (Linnaeus, 1758)
Der Große Blaupfeil ist die kräftigste unter den heimischen Blaupfeil-Arten. Mit seinem leuchtend hellblauen Hinterleib und seiner Vorliebe für offene, kiesige Uferbereiche ist er eine charakteristische Erscheinung an Baggerseen und Kiesgruben. Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Begegnungen mit dieser Art in meiner Jugend - sein blitzschneller Start von einem warmen Kieselstein hat mich damals sehr beeindruckt.
Kurzsteckbrief
| Größe | 44-50 mm Körperlänge |
|---|---|
| Flügelspannweite | 75-85 mm |
| Flugzeit | Mai bis September |
| Unterordnung | Großlibellen (Anisoptera) |
| Familie | Segellibellen (Libellulidae) |
| Gefährdung Deutschland | Nicht gefährdet |
Merkmale und Bestimmung
Der Große Blaupfeil ist eine robuste, mittelgroße Segellibelle. Im Gegensatz zum Plattbauch ist sein Hinterleib schlank und nicht abgeflacht - ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal.
Männchen
Ausgefärbte Männchen zeigen einen durchgehend hellblauen, bereiften Hinterleib ohne Zeichnung. Diese Bereifung entwickelt sich mit zunehmendem Alter und kann bei sehr alten Tieren fast weiß erscheinen. Die Flügel sind klar, ohne dunkle Flecken an der Basis. Die Augen sind grünlich-blau.
Weibchen und Jungtiere
Weibchen und junge Männchen sind gelbbraun mit dunkler Längszeichnung auf dem Hinterleib. Die schwarzen Linien entlang der Hinterleibsmitte sind charakteristisch. Mit der Zeit entwickeln auch Weibchen eine leichte graue Bereifung, werden aber nie so blau wie die Männchen.
Lebensraum
Der Große Blaupfeil bevorzugt größere stehende Gewässer mit offenen, vegetationsarmen Ufern. Kiesgruben, Baggerseen, große Teiche und Seen mit kiesigem oder sandigem Ufer sind ideale Lebensräume. Er benötigt sonnenbeschienene Freiflächen am Ufer - Steine, Kies oder sandiger Boden, auf denen er sich aufwärmen kann.
Die Larven leben im Flachwasser am Gewässergrund, oft auf sandigem oder kiesigem Substrat. Die Entwicklung dauert zwei bis drei Jahre.
Verbreitung
In Deutschland ist der Große Blaupfeil weit verbreitet und häufig. Er profitiert von der Entstehung neuer Kiesgruben und Baggerseen und hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Vom Tiefland bis in mittlere Höhenlagen ist er regelmäßig anzutreffen.
In Österreich und der Schweiz kommt er vor allem in tieferen Lagen vor. In den Alpen fehlt er weitgehend.
Verhalten
Sitzwartenverhalten
Der Große Blaupfeil ist ein typischer "Ansitzjäger". Die Männchen sitzen gerne auf warmen Steinen, Kieseln oder dem blanken Boden am Ufer. Von dort aus beobachten sie ihr Revier und starten zu kurzen Jagd- oder Verfolgungsflügen. Sie kehren oft zur gleichen Sitzwarte zurück.
Territorialverhalten
Die Männchen sind territorial und verteidigen Uferbereiche von mehreren Metern Länge. Bei Annäherung anderer Männchen kommt es zu schnellen Verfolgungsjagden. Diese Auseinandersetzungen sind kurz aber heftig - der unterlegene Rivale wird vertrieben.
Fortpflanzung
Nach der Paarung, die meist am Ufer stattfindet, legt das Weibchen die Eier alleine ab. Es fliegt dabei über das flache Wasser und tippt rhythmisch mit dem Hinterleib auf die Oberfläche. Das Männchen bleibt oft in der Nähe und bewacht das Weibchen vor anderen Männchen.
Beobachtungstipps
Der Große Blaupfeil lässt sich gut an Kiesgruben und Baggerseen beobachten. Suchen Sie sonnige Uferbereiche mit Kies oder Steinen auf - dort sitzen die Männchen oft gut sichtbar. Die beste Zeit ist von Juni bis August, an warmen, sonnigen Tagen.
Nähern Sie sich langsam und vermeiden Sie abrupte Bewegungen. Die Tiere sind zwar wachsam, tolerieren aber oft eine Annäherung auf wenige Meter, wenn Sie sich ruhig verhalten. Achten Sie auch auf die charakteristische Obelisk-Stellung bei großer Hitze.
Ähnliche Arten
Der Plattbauch hat einen deutlich breiteren, abgeflachten Hinterleib und dunkle Basalflecken an den Flügeln. Der Kleine Blaupfeil (Orthetrum coerulescens) ist kleiner und zierlicher. Der Südliche Blaupfeil (Orthetrum brunneum) ist ähnlich groß, hat aber bei den Männchen eine andere Bereifungsverteilung.