Blutrote Heidelibelle

Sympetrum sanguineum (Müller, 1764)

Männchen der Blutroten Heidelibelle in Obelisk-Stellung
Männchen der Blutroten Heidelibelle - In der charakteristischen Obelisk-Stellung zur Thermoregulation.

Die Blutrote Heidelibelle gehört zu den farbenprächtigsten Libellen unserer Heimat. Ihr Name ist Programm: Die Männchen leuchten in einem intensiven, fast unnatürlich wirkenden Blutrot, das in der spätsommerlichen Sonne geradezu zu glühen scheint. In meinen vielen Jahrzehnten als Libellenbeobachter hat mich dieses satte Rot nie aufgehört zu faszinieren - es ist eines der reinsten Naturfarben, die ich kenne.

Kurzsteckbrief

Größe 34-39 mm Körperlänge
Flügelspannweite 50-60 mm
Flugzeit Juli bis Oktober
Unterordnung Großlibellen (Anisoptera)
Familie Segellibellen (Libellulidae)
Gefährdung Deutschland Nicht gefährdet

Merkmale zur Bestimmung

Die Heidelibellen (wie die Schwarze Heidelibelle) (Gattung Sympetrum) sind eine artenreiche Gruppe, und mehrere Arten zeigen rötliche Männchen. Die Blutrote Heidelibelle lässt sich jedoch durch einige Merkmale von ihren Verwandten unterscheiden.

Männchen

Das wichtigste Merkmal sind die komplett schwarzen Beine - bei anderen Heidelibellen sind die Beine teilweise gelb oder rot gestreift. Der Hinterleib ist von oben betrachtet auffällig eingeschnürt (keulenförmig) - zur Basis hin schmaler, zur Mitte hin breiter. Die Rotfärbung ist intensiv blutrot und erstreckt sich über den gesamten Hinterleib, Thorax und sogar Teile des Gesichts.

Weibchen

Weibchen sind gelbbraun bis ockerfarben, manche entwickeln im Alter eine leicht rötliche Tönung. Auch bei ihnen sind die Beine vollständig schwarz. Der keulenförmige Hinterleib ist weniger ausgeprägt als bei den Männchen, aber dennoch erkennbar.

Lebensraum

Die Blutrote Heidelibelle besiedelt verschiedene Typen von stehenden Gewässern: Weiher, Teiche, Tümpel, Moorgewässer und Gartenteiche. Sie bevorzugt Gewässer mit gut entwickelter Ufervegetation und Flachwasserzonen mit Seggen, Binsen oder Röhricht.

Die Larven leben zwischen Wasserpflanzen im Flachwasserbereich. Sie entwickeln sich meist innerhalb eines Jahres - für eine Großlibelle ungewöhnlich schnell.

Verbreitung

In Deutschland ist die Blutrote Heidelibelle weit verbreitet und gehört zu den häufigsten Heidelibellen. Sie kommt vom Tiefland bis in mittlere Gebirgslagen vor und besiedelt sowohl naturnahe als auch anthropogene Gewässer.

In Österreich und der Schweiz ist sie ebenfalls verbreitet, fehlt aber in den höheren Alpenlagen.

Verhalten

Jagd- und Sitzverhalten

Heidelibellen sind typische Ansitzjäger. Sie sitzen gerne auf niedrigen Pflanzen, Steinen oder dem Boden und starten zu kurzen Beuteflügen. Im Gegensatz zu größeren Segellibellen jagen sie selten im ausdauernden Patrouillenflug.

Fortpflanzung

Die Paarung erfolgt im charakteristischen "Paarungsrad". Anschließend fliegt das Paar im Tandem zur Eiablage - das Männchen hält dabei das Weibchen am Kopf fest. Gemeinsam wippen sie über der Wasseroberfläche, wobei das Weibchen bei jedem Abschwung einige Eier ins Wasser abstreift. Dieses synchronisierte Flugmanöver ist faszinierend zu beobachten.

Reifezeit

Nach dem Schlupf verbringen die Tiere etwa zwei Wochen abseits der Gewässer in Wiesen und an Waldrändern, wo sie jagen und ausreifen. Erst dann kehren sie zu den Gewässern zurück.

Beobachtungstipps

Die beste Zeit für Beobachtungen ist August und September. Suchen Sie Gewässer mit Seggen- oder Binsenbeständen auf. Die Männchen sitzen oft gut sichtbar auf der Vegetation, die Weibchen halten sich eher versteckt in der Ufervegetation auf.

Ein besonderer Tipp: Beobachten Sie die Tandem-Eiablage am Nachmittag. Die synchronisierten Flugbewegungen über dem Wasser sind ein beeindruckendes Schauspiel. Auch in Gärten ohne Teich können Sie die Art antreffen - sie jagt gerne über Rasenflächen und an Hecken nach kleinen Insekten.

Ähnliche Arten

Die Gemeine Heidelibelle hat gelb-schwarz gestreifte Beine und eine weniger intensive Rotfärbung. Die Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum) hat ebenfalls gestreifte Beine und ist etwas größer. Die Gefleckte Heidelibelle (Sympetrum flaveolum) hat ausgedehnte gelbe Basalflecken an den Flügeln.

Merken Sie sich: Komplett schwarze Beine = Blutrote Heidelibelle. Dieses Merkmal ist das sicherste Unterscheidungskriterium.