Frühe Adonislibelle

Pyrrhosoma nymphula (Sulzer, 1776)

Männchen der Frühen Adonislibelle
Männchen der Frühen Adonislibelle - Das leuchtende Rot ist unter den Kleinlibellen einzigartig.

Wenn im April die ersten warmen Sonnenstrahlen die Gewässer erwärmen, erscheint sie als Frühlingsbote: die Frühe Adonislibelle. Mit ihrem leuchtend roten Körper ist sie unter den Kleinlibellen eine Ausnahmeerscheinung - die meisten ihrer Verwandten sind blau gefärbt. Der Name "Adonislibelle" verweist auf Adonis, den Gott der Schönheit aus der griechischen Mythologie. Und tatsächlich: In über 50 Jahren Libellenbeobachtung hat mich ihr sattes Rot immer wieder aufs Neue begeistert.

Kurzsteckbrief

Größe 33-36 mm Körperlänge
Flügelspannweite 38-48 mm
Flugzeit April bis August
Unterordnung Kleinlibellen (Zygoptera)
Familie Schlanklibellen (Coenagrionidae)
Gefährdung Deutschland Nicht gefährdet

Erkennungsmerkmale

Die Frühe Adonislibelle ist aufgrund ihrer Färbung unter den heimischen Kleinlibellen kaum zu verwechseln. Rot ist bei Zygoptera eine Seltenheit.

Männchen

Der gesamte Hinterleib leuchtet in einem satten Rot, unterbrochen nur von schwarzen Ringen an den Segmentgrenzen. Die Augen sind oben dunkelrot bis braun, unten heller. Die Thoraxoberseite ist schwarz mit roten Schulterstreifen. Die Beine sind schwarz.

Weibchen

Weibchen sind meist etwas dunkler gefärbt mit mehr Schwarz auf dem Hinterleib. Es gibt eine gelbe Farbform, bei der das Rot durch Gelb ersetzt ist - diese ist jedoch selten. Die Grundfärbung variiert von rot bis gelblich-rot.

Lebensraum

Die Frühe Adonislibelle besiedelt bevorzugt kleine bis mittelgroße stehende Gewässer und langsam fließende Bäche. Sie bevorzugt beschattete oder halbschattige Gewässer mit dichter Ufervegetation - ein Verhalten, das sie von vielen anderen Kleinlibellen unterscheidet. Auch an Gartenteichen ist sie regelmäßig anzutreffen.

Die Larven leben zwischen Falllaub und Wasserpflanzen. Die Entwicklung dauert zwei Jahre, was die frühe Flugzeit erklärt: Die Larven überwintern bereits voll entwickelt.

Verbreitung

In Deutschland ist die Frühe Adonislibelle weit verbreitet und häufig. Sie kommt vom Tiefland bis in montane Höhenlagen vor. In Österreich und der Schweiz ist sie ebenfalls verbreitet und gehört zu den regelmäßig anzutreffenden Arten.

Verhalten

Frühe Flugzeit

Der Name "Frühe" Adonislibelle ist Programm: Sie erscheint bereits im April, oft schon Ende März - als eine der ersten Libellen des Jahres überhaupt. In milden Jahren kann sie sogar noch früher auftreten. Diese frühe Flugzeit ist eine ökologische Nische, die sie mit nur wenigen anderen Arten teilt.

Fortpflanzung

Die Paarung erfolgt typischerweise in der Ufervegetation. Anschließend legt das Weibchen die Eier im Tandem ab - das Männchen bleibt während der gesamten Eiablage mit dem Weibchen verbunden. Die Eier werden in schwimmende oder untergetauchte Pflanzenteile eingestochen.

Beobachtungstipps

Die Frühe Adonislibelle ist ein lohnendes Ziel für frühe Exkursionen. Besuchen Sie bereits im April oder Mai einen kleinen Waldteich oder einen beschatteten Weiher. Suchen Sie die Ufervegetation ab - die roten Libellen fallen zwischen dem frischen Grün gut auf.

Da sie etwas schattigere Bereiche bevorzugt, können Sie die Frühe Adonislibelle auch an Stellen beobachten, an denen andere Libellenarten fehlen. Ich empfehle Ihnen einen sonnigen Vormittag nach einer kühlen Nacht - dann sind die Tiere noch etwas träge und lassen sich gut fotografieren.

Ähnliche Arten

Die Späte Adonislibelle (Ceriagrion tenellum) ist ähnlich gefärbt, fliegt aber später (ab Juni) und hat komplett rote Beine statt schwarzer. Die roten Heidelibellen (Blutrote Heidelibelle) sind Großlibellen mit völlig anderem Körperbau.