Die Exuvie

Exuvie der Gemeinen Smaragdlibelle
Exuvie der Gemeinen Smaragdlibelle - Die zurückgelassene Larvenhaut am Schlupfort.

Nach dem Schlupf der Libelle bleibt die leere Larvenhaut - der Chitinpanzer - am Schlupfort zurück. Diese Exuvie mag auf den ersten Blick wie "Biomüll" erscheinen, doch für die Libellenforschung ist sie von unschätzbarem Wert.

Warum Exuvien so wichtig sind

Mit der Exuvie lässt sich am sichersten feststellen, ob sich eine Art auch tatsächlich im Gewässer entwickelt hat. Paarungsverhalten und Eiablage sind lediglich Hinweise auf eine mögliche Bodenständigkeit. Den Nachweis einer vollständigen Entwicklung vom Ei bis zum fliegenden Insekt kann nur die Beobachtung des Schlupfvorganges oder die zurückgelassene Exuvie erbringen.

Wenn Sie am Gewässerrand eine Exuvie gefunden haben, ist es vollkommen sicher, dass sich die Art dort vermehrt hat. Außerdem ist es mit entsprechender Literatur und Technik möglich, nicht nur die Art, sondern auch das Geschlecht zu bestimmen.

Tipps zum Finden von Exuvien

Der richtige Zeitpunkt

Die günstigste Zeit, Exuvien und frisch geschlüpfte Libellen zu finden, ist der erste warme Sonnentag nach einer längeren Schlechtwetterperiode. Die Larven haben diesen Tag lange erwartet und klettern in großer Zahl aus dem Wasser. Nicht selten kommt es zu einem Massenschlupf mit dutzenden oder hunderten Libellen gleichzeitig.

Wo suchen?

  • Beachten Sie den Lebensraum der Larven: In einem betonierten Bachbett werden Sie keine Exuvien finden
  • Larven leben dort, wo Sand oder Schlamm ihnen das Eingraben ermöglichen
  • In Fließgewässern besiedeln sie ruhige Stellen hinter Buhnen oder im Wurzelbereich der Ufervegetation
  • In der Nähe ihres Lebensraums werden die Larven auch schlüpfen

Artspezifische Schlupforte

Manche Arten haben bestimmte Schlupfstrategien:

  • Flussjungfern schlüpfen gerne an Stellen, die nur wenig aus dem Wasser ragen - auf Steinen oder flachen Ufern
  • Granataugen findet man sehr häufig auf den Schwimmblättern von See- und Teichrosen
  • Die Grüne Mosaikjungfer ist streng an die Krebsschere gebunden - nur dort finden Sie ihre Exuvien

Exuvien sammeln und transportieren

Die Exuvien sind mitunter sehr fest im Schlupfsubstrat verankert. Wenn eine leichte Lösung nicht möglich ist, trennen Sie lieber die Pflanze unmittelbar über und unter der Exuvie ab, anstatt sie mit Gewalt abzureißen. Sonst werden Teile abbrechen.

Zum Transport eignen sich:

  • Leere Filmdosen für einzelne Exuvien - durch statische Aufladung (Reiben am Wollpullover) kleben die Exuvien förmlich an der Dosenwand
  • Kleine Gläser mit Schraubdeckeln für mehrere Exemplare

Wichtig: Vermerken Sie immer Fundort und Funddatum! Weitere hilfreiche Angaben sind Schlupfsubstrat, Höhe über Wasser, Abstand zur Wasserlinie und Exposition (z.B. Nordostufer).

Exuvien bestimmen

Zur Bestimmung benötigen Sie:

  • Eine stark vergrößernde Lupe (mindestens 10×) oder ein Binokular (Stereolupe)
  • Bestimmungsliteratur wie "Die Libellenlarven Deutschlands und Frankreichs" von Heidemann & Seidenbusch
  • Nadeln zum Freilegen bestimmter Merkmale

Bei der Bestimmung sollten Sie nicht über das Ziel hinausschießen. Es ist oft besser, bei fragwürdigen Exuvien nur bis zur Familie oder Gattung zu bestimmen, als sich unsicher bis zur Art durchzuarbeiten. So werden Fehlinterpretationen vermieden.

Mein Tipp für Einsteiger

Das Bestimmen von Exuvien, besonders von Kleinlibellen, ist nicht einfach. Einige Vereine bieten Wochenendseminare an, die sich mit dem Thema beschäftigen. Der Kontakt zu erfahrenen Experten ist für Anfänger besonders wertvoll - scheuen Sie sich nicht, Ihre Funde überprüfen zu lassen!

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