Fressen und gefressen werden
Die Natur kennt keine Sentimentalität: Wer überleben will, muss fressen. Libellen sind dabei besonders effektive Jäger – schon als Larven räumen sie unter den Kleinlebewesen ihrer Gewässer auf. Doch auch die elegantesten Flugkünstler enden manchmal als Mahlzeit. Auf dieser Seite zeige ich Ihnen beide Seiten der Medaille.
Libellen als "Täter"
Schon im Larvenstadium zeigt sich der räuberische Charakter dieser Insekten. Mit ihrer einzigartigen Fangmaske erbeuten sie alles, was sie überwältigen können – von winzigen Wasserflöhen bis hin zu Kaulquappen und kleinen Fischen.
Die Entwicklungsgeschwindigkeit hängt direkt vom Nahrungsangebot ab: In nährstoffreichen Gewässern entwickeln sich kleine Arten wie die Große Pechlibelle innerhalb eines Sommers. Die stattlichen Quelljungfern dagegen, die in kargen Quellbereichen aufwachsen, brauchen bis zu sieben Jahre für ihre Entwicklung.
Als geflügelte Imagines jagen Libellen auf andere Weise: Ihre sechs Beine formen im Flug einen Fangkorb, mit dem sie Beutetiere regelrecht aus der Luft pflücken. Kleinlibellen nutzen eine weitere Strategie – sie durchkämmen systematisch die Vegetation nach ruhenden Insekten.
Selten, aber durchaus regelmäßig kann man Libellen beobachten, die Tiere verspeisen, die ihnen etwa gleichgroß sind - meist sind dies Schnaken.
Libellen fressen Libellen
Unter Libellen herrscht kein Artenschutz: Größere Arten machen ohne Zögern Jagd auf kleinere Verwandte. Das Knistern der Flügel verrät solche Luftkämpfe oft schon von Weitem. Interessanterweise ist echter Kannibalismus – also das Verspeisen von Artgenossen – äußerst selten. Kleinlibellen erwischen gelegentlich frisch geschlüpfte Tiere anderer Arten, die noch nicht fliegen können.
Libellen als "Opfer"
Vom Ei bis zum ausgewachsenen Tier: In jeder Lebensphase drohen Gefahren. Larven müssen sich vor Gelbrandkäfern, Fischen und größeren Artgenossen in Acht nehmen. Die fliegenden Imagines haben ein ganz anderes Spektrum an Feinden – von mikroskopischen Parasiten bis zu schnellen Vogelarten. Selbst in Mooren lauert Gefahr: Die klebrigen Blätter des Sonnentaus werden manchem unvorsichtigen Tier zum Verhängnis.
Gregarinen
Gregarinen sind einzellige Sporentierchen (Klasse Sporozoa), die vereinzelt im Darm der Libellen leben. Bei einem sehr starken Befall können sie den Darm fast vollständig zerstören. Eine dermaßen befallene Libelle fällt durch dunkle Flecken auf dem Hinterleib auf, ist sehr träge und stirbt innerhalb kurzer Zeit.
Milben
Milbenbefall ist bei Libellen recht häufig zu beobachten. Es sind jedoch nicht die erwachsenen Milben, die ihnen das Leben schwer machen können - es sind die parasitär lebenden Larven von Wassermilben. Während des Schlupfes klettern die Milbenlarven auf die schlüpfende Libelle und beißen sich an relativ dünnhäutigen Körperteilen fest. Treten sie massenhaft auf, können sie eine Libelle aufzehren.
Gnitzen
Gnitzen sind kleine räuberische mückenartige Insekten. Sie beißen sich in das Flügelgeäder der Libelle fest und saugen von der dort wenig durchfließenden Hämolymphe, dem "Blut" der Libellen.
Raubfliegen
Raubfliegen (Familie Asilidae) sind gelegentlich auch Jäger von Libellen. Die meisten Raubfliegenarten sitzen verborgen in der Vegetation, bis sich die Beute genähert hat. Dann steigen sie kurz auf und ergreifen das Opfer in der Luft. Der kräftige Rüssel der Raubfliegen saugt in recht kurzer Zeit die Beute vollkommen aus.
Spinnen
Bei den Spinnen sind sowohl die Netzspinnen als auch die Spinnen ohne Netz Fressfeinde von Libellen.
Netzspinnen sind wohl die häufigsten und auffälligsten "Mörder" von Libellen. Die Libellen fliegen in das fast unsichtbare Netz und verfangen sich in den klebrigen Fäden. Die Spinne eilt zum Opfer und injiziert ein tödliches Gift.
Krabbenspinnen (Gattung Xysticus) fangen Libellen als Lauerjäger. Schlüpfende Libellen sind eine leichte Beute - sie sind einigermaßen groß und können weder wegfliegen noch fortgehen.
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